Interview mit Prof. Dr. Alexander Brem

8. August 2022 12 Minuten Lesedauer

Das Gründerteam wird von Prof. Dr. Brem als Mentor auf betriebswirtschaftlicher Seite unterstützt. In diesem Interview gibt Prof. Brem einen Einblick in seine Arbeit, seine Tipps fĂŒr GrĂŒnder*innen und seine Motivation Semanux zu unterstĂŒtzen.

Portrait von Alexander Brem.

Professor Brem hat den Cyber Valley Lehrstuhl für “Entrepreneurship in Technologie und Digitalisierung” an der UniversitĂ€t Stuttgart inne. Seine Forschungsinteressen liegen im Unternehmertum sowohl in der Theorie, als auch in der Praxis – mit einem interdisziplinĂ€ren Ansatz aufstrebende Technologien, Innovationen und Wissenschaft nachhaltig zu verknüpfen.

Florian: “Herr Professor Brem, herzlichen Dank fĂŒr die Möglichkeit zu diesem Interview. Was fasziniert Sie an Ihren Forschungsbereichen Innovation und Entrepreneurship?”

Alexander Brem: Mich begeistert immer wieder, wie das Neue in die Welt kommt. Denn es gibt sehr viele Menschen, die hervorragende Ideen haben, aber nur sehr wenige, die diese wirklich umsetzen bzw. es zumindest versuchen. Mit unseren interdisziplinĂ€ren und internationalen Forschungsgebieten des Instituts decken wir die notwendige Bandbreite von KreativitĂ€t bis hin zur Entwicklung neuer Industrien ab. Diese Forschung verknĂŒpfen wir nicht nur konsequent mit der Lehre, sondern auch mit dem Transfer in die Wirtschaft. Mir ist wichtig, nicht nur ĂŒber Innovation und Entrepreneurship zu sprechen, sondern auch aktiv zu werden – oder um es mit den Worten von Erich KĂ€stner zu sagen: „Es gibt nichts Gutes außer man tut es“. Das Spektrum reicht von der Organisation unseres Instituts bis hin zur UnterstĂŒtzung von Teams wie Semanux.

Florian: Das Start-up Semanux entwickelt eine Software, die es Menschen mit motorischen EinschrÀnkungen leichter macht, im Internet zu surfen und den Computer zu bedienen. Sie begleiten uns dabei. Was macht ihrer Meinung nach die Software und das Team besonders?

Alexander Brem: Die Kompetenzen der drei Semanux-GrĂŒnder ergĂ€nzen sich hervorragend und decken mit ihrer Ausbildung und Erfahrung die wesentlichen Bereiche der Produktentwicklung ab. Mit Ihnen als Kaufmann wird das Team abgerundet, insbesondere durch Ihre Erfahrung in der IT-Beratung und mit digitalen GeschĂ€ftsmodellen. Außerdem wurde die zugrundeliegende Technologie bereits an den Endanwender*innen validiert. Das Team weiß, dass das Produkt bei der Zielgruppe einen echten Mehrwert schafft. Zwar ist die anstehende Vermarktungs- und Vertriebsarbeit oftmals der Knackpunkt bei technisch-orientierten Startups. DafĂŒr kann das Team aber auch auf ein starkes UnterstĂŒtzungsnetzwerk zurĂŒckgreifen und ist im Rahmen des EXIST Forschungstransfers ausreichend finanziert.

Florian: Semanux setzt dabei auf KI-Technologie. Ist KI nur ein Hype, der wieder vorbeigeht oder kann man darauf tatsÀchlich Unternehmen aufbauen?

Alexander Brem: Ich fĂŒhre mir bei dieser Frage immer den Gartner Hype Cycle fĂŒr Technologien vor Augen. Jede vielversprechende Technologie durchlĂ€uft einen Prozess der ĂŒbersteigerten Erwartungen, der Beobachter und Anwender zeitweise desillusioniert zurĂŒcklĂ€sst, bevor sich die dann realistischen Potenziale der Technologie zeigen und durchsetzen. Wir sehen schon heute wie erfolgreiche KI Startups in Baden-WĂŒrttemberg entstehen oder wie KI erfolgreich in Unternehmen etabliert wird. Es gibt aber auch Anzeichen dafĂŒr, dass sich KI-getriebene GeschĂ€ftsmodelle von den GeschĂ€ftsmodellen herkömmlicher Software Startups unterscheiden. Das macht mich als Forscher besonders neugierig.

Florian: Warum sollten junge GrĂŒnder*innen ihrer Meinung nach ihr Startup in Stuttgart grĂŒnden, und nicht irgendwo anders in Deutschland oder der Welt?

Alexander Brem: Wir haben hier am Campus Vaihingen eine unglaubliche Dichte an ausgezeichneten und Forschungs- und Lehreinrichtungen. In Summe ist das wahrscheinlich sogar einer der grĂ¶ĂŸten Wissenschaftscampus-Standorte in Deutschland. Die Technologien, die hier entwickelt werden, bieten immense Potenziale fĂŒr AusgrĂŒndungen mit transformativem Charakter. Aufgrund der NĂ€he und kurzen Wege entsteht hier ein einzigartiges Netzwerk an Startups, GrĂŒnder*innen und Startup Support, was wir unter der Flagge des StartupCampus0711.de bĂŒndeln. Außerdem haben wir in Stuttgart auch weiterhin viel Industrie von Weltrang. Das hilft insbesondere den Business-to-Business Startups schon frĂŒh lokale Kunden zu gewinnen und ihre Technologien schnell in den Markt zu bringen.

Florian: Sie sind als Mentor fĂŒr mehrere Start-ups tĂ€tig. Was ist Ihr wichtigster Rat fĂŒr angehende UnternehmensgrĂŒnder*innen?

Alexander Brem: Wir sehen immer noch viele Startups, die zu lange im Labor an ihrem Produkt feilen. Die schwĂ€bische Eigenschaft, alles möglichst perfekt machen zu wollen, ist weiterhin sehr weit verbreitet. Daran ist grundsĂ€tzlich auch erstmal nichts dran auszusetzen. FĂŒr ein Startup birgt das allerdings die Gefahr, an den BedĂŒrfnissen der Kund*innen vorbei zu entwickeln. Daher rate ich auch technisch orientierten GrĂŒnder*innen, frĂŒh mit potenziellen Kund*innen in Kontakt zu treten, um möglichst viel ĂŒber deren reale Probleme zu lernen und das GeschĂ€ftsmodell darauf basierend zu entwickeln.

Florian: Interessant, haben sie sonst noch Tipps zum Thema GrĂŒndung?

Alexander Brem: Einfach machen :)
Spaß beiseite, wir haben ein sehr gutes Netzwerk an Coaches, die bei dieser Entscheidung mit Rat und Tat zur Seite stehen. Außerdem bieten wir viele Events und Workshop-Formate zusammen mit Gradus und anderen Partnern an, bei denen man das Thema erleben kann und vom Austausch mit erfahrenen GrĂŒnder*innen profitiert. An der Stelle kann ich allen Interessierten nur raten, bei einem der vielen Veranstaltungen vorbeizuschauen. Das hilft dann idealerweise bei der Entscheidungsfindung - und man lernt zumindest immer nette und interessante Leute kennen.

Florian: Wir bedanken uns fĂŒr das Interview und freuen uns auf die weitere Zusammenarbeit mit Ihnen!

RegelmĂ€ĂŸige Informationen zum Thema Startup an der UniversitĂ€t Stuttgart erhaltet ihr ĂŒber den zweiwöchig erscheinenden Newsletter: https://www.eni.uni-stuttgart.de/transfer/newsletter

Weitere Neuigkeiten ĂŒber Semanux in unserem Blog

Die Beta-Phase hat begonnen
Videos: Was macht Semanux möglich?