Interview: Professor Steffen Staab

15. Juni 2022 9 Minuten Lesedauer

├ťber Semanux, Eyetracking und den Einfluss von K├╝nstlicher Intelligenz. Wir als Semanux Spin-off werden von zwei wissenschaftlichen Mentoren unterst├╝tzt. Einer von Ihnen ist Professor Dr. Steffen Staab. Mit ihm haben wir ein Interview gef├╝hrt, um ihn euch vorzustellen und euch einen besonderen Einblick in seine Arbeit zu geben.

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Florian: Herr Professor Staab, Sie sind Professor f├╝r K├╝nstliche Intelligenz (KI) und haben den Lehrstuhl ÔÇťAnalytic ComputingÔÇŁ der Cyber-Valley-Initiative an der Universit├Ąt Stuttgart inne. Was bedeutet die Cyber-Valley-Initiative f├╝r die Forschung in der KI?

Steffen Staab: Die Initiative ist europaweit der gr├Â├čte Forschungsverbund in der K├╝nstlichen Intelligenz mit Partnern in der Wissenschaft, der Industrie und dem Land Baden-W├╝rttemberg. Die Initiative er├Âffnet uns vielf├Ąltige Kooperationsm├Âglichkeiten in der Forschung und mit Unternehmen. Diese reichen von der Grundlagenforschung des Max-Planck-Instituts und der wirtschaftsnahen Entwicklung der Fraunhofer-Gesellschaft bis hin zu international operierenden Firmen wie Bosch. Damit sch├Ąrft unsere Region ihr Profil als hochklassiger Standort f├╝r die Erforschung und der Entwicklung k├╝nstlicher Intelligenz.

Florian: Welchen Einfluss kann die Verwendung von K├╝nstlicher Intelligenz auf das Leben von Menschen haben?

Steffen Staab: Der Einfluss von k├╝nstlicher Intelligenz wird Schritt f├╝r Schritt unsere gesamte Gesellschaft betreffen. Von smarten Geb├Ąuden, die automatisiert l├╝ften und heizen, ├╝ber optimierte Verkehrsf├╝hrung, die sich auf Daten ├╝ber den herrschenden Verkehr und autonome Fahrzeuge st├╝tzt, bis hin zum medizinischen Umfeld in welchem ├ärzte in ihrer Entscheidungsfindung von KI-Systemen unterst├╝tzt werden. Wir sehen bereits heute in Form von intelligenten Suchfunktionen im Internet, Assistenzsysteme f├╝r Haut├Ąrzte und im Einsatz von Robotern in Haushalt und Industrie, wie unser Umfeld von KI geformt wird.

Florian: Sie sind Mentor des Start-ups Semanux sowie Doktorvater von dreien der Gr├╝nder. Was fasziniert Sie so an dem Thema Eyetracking in Bezug auf K├╝nstliche Intelligenz?

Steffen Staab: Ich besch├Ąftige mich schon seit l├Ąngerem mit dem Thema Eyetracking, genauer gesagt seit 2011. Mich fasziniert dabei, dass man die Aufmerksamkeit von Menschen auf verschiedene Bereiche des Bildschirms feststellen kann. Aus diesen unterbewussten Prozessen kann man viele hoch interessante Schlussfolgerungen ableiten, etwa welche Inhalte auf dem Bildschirm f├╝r die Betrachter interessant waren, welche Inhalte die Betrachter nur ├╝berflogen haben oder bei welchen Inhalten die Betrachter eventuell Verst├Ąndnisprobleme hatten. Unter anderem konnten wir damals bereits zeigen, wie man mit mithilfe von Eyetracking automatisch Fotos kategorisieren kann. Das ist bei der heutigen Flut an Fotos aus Smartphones und Social Media besonders relevant. Danach haben wir uns erfolgreich mit der intuitiven und zug├Ąnglichen Steuerung von Computern mit Eyetracking besch├Ąftigt und schlussendlich mit weiteren Modalit├Ąten wie Touchbedienung und Spracheingabe kombiniert. Die gewonnen Erkenntnisse werden jetzt in Semanux f├╝r den allt├Ąglichen Gebrauch umgesetzt.

Florian: Welchen Rat k├Ânnen Sie Unternehmensgr├╝ndenden im KI-Bereich geben?

Steffen Staab: Ein ganz wichtiger Punkt ist die Generalisierung von KI. Wenn man die Software auf zu viele unterschiedliche Anwendungsf├Ąlle anpassen muss, geht die Flexibilit├Ąt verloren, die man f├╝r ein Unternehmen braucht.

Florian: Glauben Sie, dass die Software von Semanux wirtschaftlichen Erfolg haben wird?

Steffen Staab: Auf jeden Fall, denn viele Millionen Menschen werden davon bei der Bedienung von Computern profitieren.

Prof. Dr. Steffen Staab ist einer der international f├╝hrenden Experten zum Semantic Web, also dem Forschungsgebiet, dass sich mit semantischem Verst├Ąndnis von Daten besch├Ąftigt. Seine weiteren Forschungsschwerpunkte liegen auf der K├╝nstlichen Intelligenz, insbesondere im Kontext der nat├╝rlichen Sprachverarbeitung, und der Mensch-Computer Interaktion im Web. Zum 1. Februar 2020 wurde Steffen Staab auf die Cyber Valley Professur ÔÇ×Analytic ComputingÔÇť an die Universit├Ąt Stuttgart berufen.

Website der Cyber-Valley-Initiative: https://cyber-valley.de/de

Gr├╝ndungspartner der Cyber Valley Initiative sind das Land Baden-W├╝rttemberg, die Universit├Ąten Stuttgart und T├╝bingen, die Max-Planck-Gesellschaft mit dem Max-Planck-Institut f├╝r Intelligente Systeme, sowie Amazon,BMW AG , IAV GmbH, Mercedes Benz Group AG, Dr. Ing. h.c. F. Porsche AG, Robert-Bosch-GmbH und ZF Friedrichshafen AG. Unterst├╝tzt wird Cyber Valley zudem von der Christian B├╝rkert Stiftung, der Gips-Sch├╝le-Stiftung, der Vector Stiftung und der Carl-Zeiss-Stiftung. Dar├╝ber hinaus ist die Fraunhofer-Gesellschaft Cyber Valley Partner.

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